Was ist daran ökologisch?
Nun ist es endlich bewiesen: Ohne Agrarchemie kein Umweltschutz. Erbracht hat diesen Beweis Diplom-Kaufmann Klaus Deichner. Denn der machte sich in der von der BASF herausgegebenen Broschüre «Agrarchemie ist Umweltschutz» auf die Suche nach der Moral und kam nach fleissigem Rechnen und vielen sorgenvollen Blicken in die Zukunft zu dem Schluss: Öko-Landbau als flächendeckende Wirtschaftsweise würde weltweit die gesamten Lebensgrundlagen zerstören. «Was ist daran ökologisch?» Und was ist an den «Alternativen» dann noch moralisch?
Deichner baut seine Beweisführung auf am Beispiel des Bevölkerungswachstums und der Ernährungssicherung. Schon heute verhungern die Menschen - welche Situation ergäbe sich, wenn weltweit ausschliesslich ökologisch gewirtschaftet würde? Unter Zuhilfenahme von Tabellen und Grafiken sowie Rechenexempeln, deren Zahlengrundlage der Leser allerdings vergeblich sucht, führt Deichner vor, dass bei einer flächendeckenden ökologischen Landbewirtschaftung die Ackerfläche weltweit verdreifacht werden müsste, um die Menschen zu ernähren und somit bis zum Jahr 2050 alle Steppen in Ackerland verwandelt und die Tropenwälder völlig abgeholzt wären. Damit würde das Weltklima negativ verändert und die Arten¬ vielfalt verringert. Auch das Wasser, die Luft und die Bodenfruchtbarkeit hätten unter der alternativen Landwirtschaft zu leiden. Und wen das noch nicht genügend erschreckt: Unter diesen Umständen müsste so mancher «zwangsweise auf mehr pflanzliche Nahrung umstellen und Gemüse statt Sonntagsbraten essen».
Der Umkehrschluss folgt sofort: Schon heute bleiben durch die Agrarchemie 2,5 Milliarden Hektar für Naturschutzzwecke erhalten; um der Abholzung des Tropenwaldes entgegenzuwirken, ist schon heute eine weitere Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion erforderlich: und schon heute bleibt durch die «moderne» Landwirtschaft das Wasser vor dem Nitrateintrag der «Alternativen» geschützt.
Soweit aus einem Bericht von Susanne Popp in «bio-land 5/95». Ein Beispiel mehr dafür, dass mit einer Statistik alles und mit der gleichen Statistik das Gegenteil bewiesen werden kann, wenn man sich nur die Mühe nimmt, die Zahlen entsprechend zusammenzustellen.
Eine wohltuende Antwort fiel mir dieser Tage in der Firmenzeitschrift von John Deere, «Flur und Furche» in die Hand. Edith Walderbach und Michael Kottmeier berichten über den philippinischen Reisbauer Gipo, der seinen 4,25 ha grossen Betrieb auf den biologischen Landbau umgestellt hat. Sie beschreiben, wie durch die grüne Revolution der 60er Jahre versucht wurde, mit neuen Sorten und der Einführung des Kunstdüngers gegen die Hungersnöte in der Dritten Welt anzugehen. In derTatverzeichnete man zunächst spektakuläre Erträge.
Die Kehrseite der Medaille «Diese Hybridsorten wurden häufig von Viren und Pilzen befallen: zudem waren sie empfindlicher gegen Insekten und Schneckenfrass. In der Folge mussten die Bauern mehr Pestizide einsetzen, die chemische Keule wurde für sie bald selbstverständlich.
«Die Goldene Schnecke ist ein gutes Beispiel für den Kreislauf der Abhängigkeiten», erklärt Romelo «Molong» Fajardo vom Forschungszentrum für einheimisches Saatgut in President Roxas, einer von vier jungen Landwirten und Agraringenieuren, die 1992 dieses Forschungs- und Ausbildungsprojekt aufgebaut haben. Beim morgendlichen Rundgang über die umliegenden Farmen weist er auf einen Reisbauern. Während dessen linke Hand ein Bündel mit in Saatbeeten gezogenen Reispflanzen hält, drückt seine rechte mit beeindruckender Schnelligkeit die einzelnen Halme in die nasse Erde. «Er muss die Stellen nachpflanzen, die vonderGoldenen Schnecke weggefressen sind» - jenem Weichtier, das1984 in grossen Mengen ins Land gebracht wurde. Als zusätzliche Eiweissquelle für die Ernährung der philippinischenBevölkerung war sie gedacht, denn der massive Pestizideinsatz hatte eine Vielzahl der ursprünglichen Proteinspender wie Frischwasserfische, Frösche und Schnecken Der philippinische Reisbauer Cipo vor einem seiner biologisch angebauten Reisfelder verdrängt. Doch das Vorhaben nahm eine katastrophale Wende: Einzelne Schnecken entwichen aus den Zuchtbehältern und machten sich in den Reisfeldern breit. Binnen kürzester Zeit entwickelten sie sich dort zum Hauptschädling.
«Merkwürdigerweise war fast zur gleichen Zeit ein neues Schneckenbekämpfungsmittel eines grossen Chemieunternehmens auf dem Markt», ergänzt Molong. Die steigenden Erträge wurden zu einem hohen Preis erkauft: Durch horrende Betriebsmittelkosten verschuldeten sich die Bauern. Zudem wurde die Umwelt stark belastet und die Gesundheit der ländlichen Bevölkerung litt. Aber auch die Vielfalt ursprünglicher Saaten und das Wissen um traditionelle Anbauformen gingen verloren.
Doch Bauern wie Gipo wollen neue Wege gehen: Weg vom Weltmarkt - wieder hin zur Selbstversorgung. Vor Jahren hatte auch er lediglich Reis angebaut und sämtliche anderen Nahrungsmittel zukaufen müssen. Heute kann er ein vielfältiges Angebot vorweisen: Die Dämme zwischen den Reisfeldern sind mit Kokospalmen, Kletterbohnen oder Gabi (einer Süsskartoffelart) bepflanzt.
Heute düngt Gipo mit Reisstroh und seit der Umstellung haben sich die Reisspelzen: Produktionskosten gesenkt. Auch die natürlichen Feinde der haben sich wieder Schädlinge Überdies lebt heute in den eingefunden. Nassreisfeldern wieder eine Vielzahl von Fischen. Sie dienen nicht nur der Eiweissverder mit ihrem Verkauf sorgung Familie; verdient Gipo über 7000 Pesos im Jahr, das Doppelte des Pachtzinses.(.„)
Für die Züchtung einer neuen Reissorte hat das Internationale Reisforschungsinstitut eine Urkunde verliehen. Geld hat Gipo er für leider nicht seine Züchtung gesehen. «Hätte das Institut eine solche Reissorte entdeckt, wären wohl ein paar Millionen internationaler Gelder geflossen», meint Molong...
Ursachenforschung?
Sie bleibt beschränkt auf das Individuum. Wo aber werden Langfristuntersuchungen über den Zusammenhang von Autoabgasen und Krebserkrankungen angestellt? Und wo gibt es Beobachtungen über Langzeitemissionen aus Atomanlagen, von deren Plutonium-239 zwölf millionstel Gramm genügen, um den Menschen, der sie einatmet, zu töten? Jährlich erzeugen allein die AKWs in der Schweiz 90,27 Kilogramm Plutonium, mithin 7'528'615'719 tödliche Dosen. Und davon soll nie auch nur das geringste in die Aussenwelt gelangen?
Allein, die Fortschritte in der Medizin sind enorm: Bald wird sie in der Lage sein, mit Hilfe der Genmanipulation abgas- und plutoniumsresistene Menschen zu züchten. Kurt Marti Der Kampf um die Rettung weltbehörden ein. Nationale Parlamente des Planeten verabschiedeten Tausende von Gesetzen zum Schutze der Umwelt. Zehntausende von Im Bericht des Worldwatch Instituts zur Lage der Welt 1991/92 schrieb Lester R. Brown: unabhängigen Umweltschutzorganisationen entstanden als Reaktion auflokale «Während der 20 Jahre seit dem ersten verlor die Erde Umweltzerstörungen. Aber schon Dennis Hayes, der ,Earth Day' annähernd 200 eine Vorsitzende des ,Earth Day' 1990 fragte: Millionen Hektar an Waldbestand, die die Grösse des Gebietes ,Wie kommt es, dass wir jetzt möglicherweise Fläche, ungefähr den Kampf verlieren, nachdem wir so hart der Vereinigten Staaten östlich des Mississippi Die Wüsten dehnten sich gekämpft und so viele Schlachten gewonnen entspricht. um haben?' 120 Millionen Hektar aus. Die Landwirtschaft verlor weltweit schätzungsweise 480 Ein Grund für diesen Fehlschlag ist, dass, Milliarden Tonnen Mutterboden, was ungefähr obwohl die Regierungen ihre Besorgnis um die der Menge Mutterboden auf den Umweltzerstörungenbekundet haben, wenige Anbauflächen Indiens entspricht. bereit waren, die grundlegenden Änderungen vorzunehmen, die nötig wären, diese Die Schwächung des Planeten ist weiter Zerstörungen rückgängig zu machen.» fortgeschritten, trotz der Anstrengungen nationaler Regierungen auf dem Gebiet des Dem gibt es nichts mehr beizufügen... Umweltschutzes während der letzten 20 Jahre. In dieser Zeit richteten fast alle Länder Um¬