Möschberg-Gespräch Städtischer Landbau?
Tilla Künzli, Vorstandsmitglied von «Urban Agriculture Basel», berichtete auf dem Möschberg über ihre Projekte.1 «Ich habe Kunst und Design studiert und studiere jetzt Musik mit Fachrichtung Jazz, bin professionelle Träumerin und Netzwerkerin.» So stellt sich Tilla Künzli den Anwesenden beim Möschberg-Gespräch vor. Dann zeigt sie ein Bild von 1898: Der Plan einer Gartenstadt von Ebenezer Howard. Das Quartier Bruederholz auf einem ehemals bewaldeten Höhenzug im Süden der Stadt Basel sei auf solchen Ideen aufbauend geplant worden. Dann bringt sie ein zweites Bild: Frauen und Kinder beim städtischen Gartenbau während der schweizerischen Anbauschlacht im 2. Weltkrieg. «Wir übernehmen die Geschichte», sagt Künzli, und ihr Verein setzt sich laut Statuten «für die Umnutzung vonBoden zur Erzeugung von Lebensmitteln» ein, und zwar bevorzugt nach BioRichtlinien. Es ist ein gemeinnütziger Verein Schneckenfest im Gemeinschaftsgarten. Landhof 2014 Foto: Jan Chudozilov mit 250 Mitgliedern: «Studierende, Soziologen, Künstler, Schüler, Botaniken) sind im Vereinsvorstand Urban Agriculture Basel aktiv. «Wir arbeiten ehrenamtlich zu insgesamt rund 400 %. Ich habe fünf Jahre 80% ehrenamtlich für diesen Verein gearbeitet. Jetzt sind wir mit 5000 Franken Budget pro Jahr in der Professionalisierungsphase, mittlerweile aber auch recht stark abhängig von den 2-6 Volontäre, die wir haben.» Je nach Projekt gibt es eine Finanzierung durch Stiftungen oder staatlicheStellen - oder auch nicht. «Wir wünschen uns eine politische Verankerung, damit wir unsere Arbeit als bezahlte Stelle finanziert bekommen und auch eine Ernährungsstrategie für Basel entwickeln können. Den gegenwärtigen Hype (Rummel) um <Urban agriculture und gardening) nutzen wir gerne dafür.» - Was tut dieser Verein konkret? «Wir vernetzen 50 Projekte in den Bereichen Anbau und Kultivierung: um die gewonnenen Lebensmittel zu verarbeiten und zu verteilen oder gemeinsam zu geniessen und schliesslich zu kompostieren; die dezentralen Kompostplätze sind unsere . Wir stellen einen Bezug zum Heranwachsen der Nahrung her und bieten Umweltbildung. Letztlich geht es uns um Lebensmittelsouveränität. Wir Städter sind so fern von den Lebensmitteln, dass das etwas ganz Wichtiges ist.» Es wächst also Essbares heran in Basler Hinterhöfen, in Vorgärten oder in grösseren Gemeinschaftsgärten. Oder auch - Kunstaktion! - in 230 von der Migros gespendeten Einkaufswägen, die mit Erde befüllt und bepflanzt wurden. «Diese Wägen stehen in der ganzen Stadt herum. Manche sind jetzt vergammelt, anderen geht es sehr gut.» Die Karren stellen die Frage: Wo wächst eigentlich heran, was ich im Supermarkt einkaufe? Und was kann ich dafür tun, dass mein Essen gut heranwächst? Ein Vorzeigeprojekt des Vereins ist der 600 Quadratmeter grosse Gemeinschaftsgarten in Kleinbasel auf einem ehemaligen Sportplatz des FC Basel. Zehn Menschen arbeiten dort regelmässig übers Jahr an zwei Nachmittagen, zwei Gärtnerinnen leiten das Ganze. Es gibt keinen Zaun, aber Hügelbeete, 250 verschiedene essbare Pflanzenarten und ein Wildbienenhaus (www.landhof.ch). Nicht immer läuft es so gut. Der Kräutergarten Horburg «wurde eine Hundegasse. Wenn die Pflege keinKonzept hat, wird es schwierig.» Die «Community supported agriculture» (CSA) in Nuglar in Basel-Land «ist unser einziges Projekt in der Landwirtschaft» (www.nuglargaerten.ch). Dort stehen sieben Hektaren Land mit biodynamischem Gartenund Obstbau. Seit 2015 werden Gemüseabos vergeben, die Leute packen sich selber an Packstationen ein, was ihnen zusteht. Für die Abos werden eine Mitgliedschaftsgebühr (100 Fr.) sowie ein Jahresbeitrag bezahlt, welcher Tilla Künzli Foto: Nikola Patzel individuell so ausgehandelt wird, dass die Summe die Kosten trägt (durchschnittlich 1160 Fr. für eine Zweipersonenkiste). Für verbindliche Mithilfe beim Gärtnern gibt es eine Beitragsermässigung. Vor Ort sind ein Landwirt und ein Gärtner zu je 50 % angestellt. Fehlendes Gemüse wird vom Eulenhof bezogen. Das Projekt wurde 2014-16 mit insgesamt 113'000 Fr. Spenden sowie darüber hinaus mit Darlehen und Sachleistungen gefordert. Bald soll es sich selber durch die Abokisten tragen. Wieder zurück in der Stadt, geht es um . Andreas Seiler, der das Basler leitet, hat sieben Bienenvölker auf privatem oder öffentlichem Grund stehen. Dieses Projekt läuft seit 2009. «Der Honig - wir lassen dem Bien immer genug übrig - wird verschenkt, getauscht, in der Bio Bistro-Küche verwendet und, wenn noch etwas übrig bleibt, an Gäste des Bistros verkauft», schreibt Seiler auf Nachfrage. Als Tilla Künzli auf eine Frage zu Tieren antwortete: «Fleisch interessiert uns nicht, wir sind fast alle Vegetarier», gab es heftige Reaktionen einiger Zuhörer: Zur Landwirtschaft gehöre doch auch die Tierhaltung. In der Folge zeigte sich Künzli offen, ein Fleischvermarktungsprojekt anzufangen; nur die Tierhaltung sei halt auf dem Land besser zu bewerkstelligen als in der Stadt. • 1 Zusammenfassung des mündlichen Vortrags (NP), etwas bearbeitet von Tilla Künzli (http://urbanagriculturebasel.ch).
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