Im Garten, wenn der Winter vor der Türe steht
Das vergangene Kulturjahr hat uns wieder einmal extreme Witterungsverhältnisse beschert. Das Frühjahr sehr trocken und der Sommer extrem naß. Wahrlich kein ideales Wetter für unsere Kulturen.
In einer Kleingartenanlage mit 54 Parzellen zu je 350 Quadratmetern können bezüglich der Bearbeitungsmethoden, Düngung, Bodenpflege und Ernteresultate vergleichende Beobachtungen angestellt werden. In der Trockenperiode konnte beobachtet werden, daß organischbiologisch wirtschaftende Gärtner viel weniger mit der Gießkanne oder dem Gartenschlauch hantieren und weniger Hackarbeit verrichten mußten als die offiziell wirtschaftenden. Auch konnte beobachtet werden, daß in jenen Gärten, die möglichst zweimal im Jahr umgegraben werden und mit Kunstdünger arbeiten, während der Regenperioden nicht nur stundenlang, ja sogar oft Tage hindurch, das Wasser über den Beeten nicht verschwand. Wenn ich dagegen meine eigene Parzelle, die seit 18 Jahren nicht mehr umgegraben wurde, sondern nur mehr mit dem Kräuel gelockert, keine Spur eines stehenden Wassers aufwies, war das ein sicherer Beweis dafür, daß die organisch-biologische Wirtschaftsweise in der Zukunft ihre Berechtigung hat. Es hat sich eindeutig gezeigt, daß ein ständig mit einer Mulchoder Mulmdecke versehener Boden durch die Lebendverbauung eine gegen extreme Witterungsverhältnisse bessere Krümelstruktur aufweist als ein solcher, bei dem die Schichtenbildung dauernd durch Umgraben gestört und mit wasserlöslichen, ätzenden Düngern versorgt wird.
Auch das Humusferment war wieder eine wertvolle Hilfe. Die so versorgten Pflanzen wuchsen zügig ohne Schädlings- und Krankheitsbefall und waren von gutem Geschmack und lagerfähig. Es ist aber zu bemerken, daß das Humusferment nur dann voll wirksam werden kann, wenn der Boden laufend mit organischer Substanz versorgt wird. Anfänger in der organisch-biologischen Wirtschaftsweise meinen, es genüge, wenn man das Humusferment ausbringt ohne die übrigen Maßnahmen zu beachten und sind enttäuscht, wenn sich der erwartete Erfolg nicht einstellt. Diese Hochleistungsbakterien brauchen zum Leben und ihrer Vermehrung auch Nahrung und Schutz, und das erreicht man nur durch organische Versorgung der Böden. Das öftere Bestäuben aller Kulturen, auch der Beerensträucher, war eine weitere wertvolle Maßnahme gegen das Auftreten von Pilzkrankheiten. Die Winterzeit soll für die Erstellung der Bebauungspläne ausgenützt werden. Je gründlicher wir die Düngung unter Einbeziehung von Gründüngungspflanzen, die richtigen Saatzeiten, die zueinanderpassenden Pflanzenarten und das Ineinanderschieben der nachfolgenden Kulturen überlegen und einplanen, desto größer wird der Erfolg sein. Es wird sich immer lohnen, auch das Büchlein von Frau Dr. Müller, «Anleitung zum organischbiologischen Gartenbau» und Beiträge aus der «Vierteljahrsschrift für Kultur und Politik» und andere Unterlagen zu Hilfe zu nehmen. Zur Pflege unserer Kulturen und zur Schädlingsbekämpfung, im Falle solche auftreten sollten, tun wir gut, wenn wir auch im Garten Pflanzen wie Brennessel, Rainfarn, Wermuth, Knoblauch und Kapuzinerkresse anbauen, um sie im Bedarfsfalle zur Verfügung zu haben. Auch Gewürzkräuter sollen in unseren Gärten nicht fehlen. Es hat sich auch gezeigt, daß selbstgezogene Pflanzen besser anwachsen und weniger Ausfälle haben als die gekauften. Da aber nicht jeder ein Warm- oder Mistbeet zur Verfügung hat, müssen wir versuchen, hier einen gangbaren Ausweg zu finden. Da auch Pferdemist in den seltensten Fällen zur Verfügung steht, können wir uns mit Kurzstroh, altem Heu, Birken- oder Buchenlaub auch eine Wärmequelle erschließen, um damit die Pflanzerde von unten aufzuwärmen.
Dazu wählen wir uns im Garten ein windgeschütztes, sonniges Beet. Heben die Erde etwa 40 cm tief aus, geben die oben beschriebenen organischen Materialien möglichst gut durchmischt unter Einstauben mit Urgesteinsmehl und ein wenig Hornmehl oder Hornspäne, alles gut angefeuchtet, in diese ausgehobene Vertiefung. Obenauf wird mit etwas angefeuchtetem Torf etwa einige Zentimeter abgedeckt, und darüber die ausgehobene Erde. Wir warten einige Tage ab bis sich die Masse erwärmt hat. Ueber dieses Beet legen wir zunächst Plastik darüber, weil dies auch zur Erwärmung beiträgt. Nach guter Erwärmung, das kann schon nach 4 bis 8 Tagen der Fall sein, können wir bereits aussäen und darüber einen Plastiktunnel errichten. Bei sonnigem Wetter dürfen wir das Lüften nicht vergessen. Sobald die Pflänzchen an den Keimblättern gut zu fassen sind, werden sie pikiert. Wir könnten aber auch an hellen Fenstern in Saatkistchen oder Schalen zunächst die Aussaaten machen.
Es muß diese Stelle aber sehr viel Licht und Sonne haben und nicht zu warm sein, sonst würden die Pflänzchen zu stengelig und nicht gedrungen mit einem dichten Wurzelballen heranwachsen.
Das Umsetzen dient dazu, um einen starken Wurzelballen und kräftige Pflänzchen zu erhalten. Martin Ganitzer