Geglückter Start von Carbon on Tour
Boden/Klima Geglückter Start von Carbon on Tour Paul Walder. Nach gut zweieinhalbstündiger Fahrt haben wir beiden Prättigauer Bergbauern den Tierliberg in Lommiswil erreicht. Nicht ganz ohne kleinere Umwege, aber immer noch ohne GPS. Das ist für solche, die sich am Nabel der Welt zu Hause wähnen, ein gegenseitiges Schulterklopfen wert. Auf dem Hof von Elke Nüssli und Markus von Burg angekommen, ging es sogleich ans Entladen des Anhängers. Ein leichtes Spiel, wenn ein Frontlader auf dem Hof ist. Auf einer angrenzenden Wiese wurde der mitgeführte Kon-Tiki, also unsere grosse Pyrolyse-Feuerschale, in Stellung gebracht: unmittelbar neben einigen Haufen aus Heckenschnitt, erst vor kurzem geschnitten, teilweise noch mit Laub und Beeren behangen und durchnässt vom nächtlichen intensiven Regen, wenig vielversprechend für eine vorbildliche rauchlose Pyrolyse. Das brachte Johnny Rupp, den erfahrenen Pflanzenkohle-Hersteller und vielseitigen Bauern, kaum aus der Ruhe. Anzündmaterial hatten wir dabei und eine Schubkarre trockenes Scheitholz sollte für ein kräftiges Glutbett genügen. Inzwischen trafen die zehn interessierten Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Lommiswil (SO) und der weiteren Umgebung ein. Darunter auch von anderen Veranstaltungen des Bioforums bekannte Gesichter, als hätten wir bereits einen Fanclub. Eine landwirtschaftliche Beraterin mit eigenem Hof, ein langjährig erfahrener Kon-Tiki-Betreiber sowie die Gastgeberfamilie mit Mitarbeitern. Mit Motorsäge und etlichen Heckenscheren wurden die Stauden auf Meterlänge eingekürzt und schichtweise auf das Feuer gelegt. Weil verästelt und etwas sperrig, kam das Holz nicht direkt auf die Glut Der Kon-Tiki landet fürs Erste in Lommiswil.
18 > Kultur und Politik 4>22 zu liegen und konnte genug antrocknen, bevor es Feuer fing. Dadurch hielt sich die Rauchbildung in moderaten Grenzen und hörte bei genügender Temperatur völlig auf, was beim starken Wind und den nahe gelegenen Wohnquartieren entlastend wirkte. Trotz zeitweiligem Regen und anhaltend starkem Wind hielten alle Beteiligten durch. Rege Diskussionen entstanden weit über Pyrolyse-Pflanzenkohle und deren Anwendung hinaus ganz besonders auch bei einer feinen Gemüsesuppe, die mit köstlichen Zutaten in der hofeigenen Jurte verzehrt wurde, sodass der zum Kon-Tiki gehörende Grillrost gar nie zum Einsatz kam. Auch wenn der Kon-Tiki mit Kohle erst halb gefüllt war, zeigten wir um 15 Uhr, wie richtig abgelöscht wird und worauf dabei besonders geachtet werden muss. Die freundschaftlich warme Atmosphäre auch bei zwischendurch garstigem Wetter, das grosse Interesse, die angeregten Gespräche und viele leuchtende Augen waren für uns Referenten Rückmeldung genug, auf einen gelungenen Start von Carbon on Tour zurückschauen zu dürfen. Der Kon Tiki wird die nächsten drei nun Wochen in der Region bleiben und von Interessenten werden können. Am ausgemietet Mittwoch 7. Dez. ging er zur nächsten Station der Tour nach Düdingen (FR). Weitere Stationen und Termine der Tour findet man unter www. bioforumschweiz. ch/carbon-ontour-1 und indieser Ausgabe auf der letzten Seite. Auf uns Bündner wartete eine lange Heimreise mit weiten Strecken im Traktortempo auf beiden Fahrspuren und Vorstellungen von riesigen Pflanzenkohle-Halden, bis der CCb-Ausstoss dieser täglichen Blechlawinen kompensiert werden könnte. • meint Pyrolyse Verkohlung. Früher wurde Holzkohle als Brennstoff bei uns von Köhlern in Kohlemeilern dezentral im Wald heute hergestellt, wird sie zum Grillieren mehrheitlich aus Tropenwäldern v.a. Südamerikas oder aus Polen importiert. Dieser Artikel handelt von etwas anderem, nämlich heimischer Pflanzenkohle zum Zweck der Bodenverbesserung und Kohlenstoff-Einlagerung in denselben. Holz verbrennt stufenweise. Bei einer Temperatur ab ca. 250°C entweichen Holzgase (C02, CO, CH4, C;H4, H2, organische Verbindungen wovon das Brennbare in einer praktisch rauchfreien Flamme verbrennen kann. Kohle bleibt übrig. Diese verglüht danach bei sehr viel höheren Temperaturen (Glut). Dabei entsteht blauer Rauch (Aerosole). Ist aller Kohlenstoff verglüht, bleibt Asche übrig. Für die einfache Herstellung von Kohle mit offener Flamme wird das Feuer in einer Gmbe oder tiefen Schale angelegt, damit kein Sauerstoff von unten oder seitlich einströmt. Über dem Holz entzünden sich die ausgeströmten Holzgase an einer bestehenden Flamme. Diese zehrt den Sauerstoff laufend auf, sodass die darunter sich bildende Kohle nicht glühen, also nicht verbrennen kann. Dadurch ist die Kohleausbeute z.B. im hier beschriebenen Kon-Tiki viel höher als in einem offenen Feuer, wo nur die zum Zeitpunkt des Ablöschens noch vorhandene Glut als Pflanzenkohle gewonnen werden kann. Das hier beschriebene Projekt des Bioforums wird von Bio Suisse gefordert.
Fotos: Paul Walder bioforumschweiz.ch