Der Ftaner Käse und der Einkaufspreis des Grossverteilers
Dies ist die wahre Geschichte vom chüschtigen Ftaner Bergkäse, von engagierten Biobauern, von dem, was der Grossverteiler dafür pro Kilo zu zahlen gewillt ist, von dem, was die Konsumentinnen zu zahlen haben und von einem erstaunten Multimillionär, der gleich 201 für seine Ozeanriesen geordert hat. Zu einem anständigen Preis, versteht sich.
Im Frühjahr müssen die an Gemeinschaftsarbeit erbracht Weiden geputzt werden. Die werden. (Andere Gemeinschaftsarbeit Bäuerinnen machen grosse als das Weidenputzen Picknicks und gehen selbst in den besteht darin, Zäune zu erstellen, die Trupps mit den Männern mit. Alphütten zu putzen, den Güllenkasten Ungefähr 100 Stunden pro Betrieb auf der Alp zu leeren, u.a.) müssen in diesem Dorf jährlich Im Sommer wird geheuet. Die Biofarm GVO gegen Die Biofarm-Generalversammlung hat am 22. April nicht nur den erfolgreichen Jahresbericht 2004 gefeiert, sondern auch diese Resolution für eine gentechfreie Landwirtschaft verabschiedet:
Die Biofarm Genossenschaft lehnt die Gentechnik in der Landwirtschaft ab. > Bio-Lebensmittel müssen auch in Zukunft frei von gentechnisch veränderten Organismen sein. > Die Koexistenz zwischen gentech- und gentechfreier Landwirtschaft ist in der Praxis nicht durchführbar. Die Risiken trägt zudem allein die gentechfreie Landwirtschaft. > Wir fordern die Einhaltung des Verursacherprinzips .Wir wehren uns gegen zunehmende Kosten, die heute schon im Biolandbau durch vermehrte Qualitätssicherungsmassnahmen (Warenflusstrennung, Analysen, usw.) zur Gewährleistung der Gentechnikfreiheit in den Bioprodukten anfallen. > Wir protestieren gegen Machenschaften des Agro-GentechnikMultis Syngenta, der in den letzten vier Jahren «versehentlich» 187 000 Tonnen Gentech-Mais BtlO, eine Süssmaissorte, illegal in die Nahrungskette gebracht hat. > Wir verlangen, dass in Studien, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden, die spezielle Situation des biologischen Landbaus realitätsgetreu untersucht und dargestellt wird. > Biofarm-Genossenschafterinnen und -Genossenschafter unterstützen die Gentechfrei-Initiative, die im kommenden Herbst oder Frühjahr 2006 zur Abstimmung kommen wird. (www.gentechfrei.ch)
Heusaison muss im Berggebiet ausgenützt werden bis auf den letzten kurzen Moment «zwischendurch». Die Menschen geben kräftemässig ihr Äusserstes, zeitweilig bis in die Nacht hinein, bei drohendem schlechtem Wetter auch am Sonntag. Über Monate zieht sich diese Hektik dahin. Die Tiere sind im Sommer auf der Alp, doch nicht selten muss sich der Bauer dennoch um sie kümmern, um kranke Füsse und anderes.
Im Herbst gibt es Kälbergeburten. Viele Male aufstehen in der Nacht. Selbst bei einer vorhandenen Gebärbox muss nachgesehen werden, ob die Kuh Hilfe braucht. Lang wird es dauern, bis das Kälbchen zur Kuh aufgezogen ist, die Milch gibt. Stets und immer können Krankheiten den Tieren zu schaffen machen. Maschinen gehen kaputt - ganz besonders im Berggebiet, wo es überall Steine hat. Gibt es einen Beruf, in dem mehr Pannen aller Art möglich sind als bei den Bauern? Eine Work-Life-Balance, von der heute so viel die Rede ist, kann man im Bauernstand vergessen. Die Arbeit ist alles, und das Leben kommt zu kurz. Dies alles geschieht im Dienste der Milch.
Im Winter wird gemolken, trotz der Absauganlage müssen die schweren Kannen auf das Vehikel gehoben werden, mit dem sie zur Käserei gebracht werden. Manch ein Rücken wird krumm oder kaputt vom schweren Einsatz.
Kraftfutter muss zugekauft werden. Denn die Kühe brauchen diese Ergänzung neben dem eher mageren Heu des Berggebie¬ tes. Wasser und Strom kosten. die Gebäudereparaturen, Dinge, erneuert werden müssen: alles ist teuer. Häufig werden die Bundesbeiträge von den teuren Nebenkosten des Bauerns vollumfänglich aufgefressen.
Hat jemals jemand eine Kuh gefragt, ob sie gerne ihr Kalb hergibt, um ihre Milch den Menschen zu überlassen? Auch die Kuh leistet viel, ist in unseren Diensten, mit Leib und Seele, damit wir Milch haben. (Völlig verständlich, dass die Inder ein solches Tier für heilig halten.)
Das Fazit von allem ist positiv: nämlich, dass eine äusserst wohlschmeckende Milch entsteht. In deren Aroma sich die hohe Lage des Ortes positiv bemerkbar macht. Was für ein edler, hochwertiger «Saft» ist diese Milch, hinter der alle mit allen Kräften stehen! Alle Betriebe in Ftan werden biologisch bewirtschaftet - wobei einer kürzlich leider aus der Bioproduktion wieder ausgestiegen ist. Das Dorf hat eine eigene Käserei, die den Bauern gehört. Es entstehen der Ftaner Bio-Bergkäse und der Ftaner Fleukäse, der selbstverständlich auch Bio ist. Die Käserei macht auch Mutschlis und Jogurt, Butter und Quark. 50 bis 60 Tonnen Käse entstehen im Jahr. Der Käse aus Ftan ist hocharomatisch. Ein edles Produkt, hinter dem, man kann dies nicht genug festhalten, sehr sehr viel Arbeit und Einsatz stehen - siehe oben.
Für den Bio-Bergkäse zahlt der Grossverteiler Fr. 10.37 pro Kilo, ab Käsereifungskeller Landquart, konsumfertig. Dieser Preis ist so schändlich, dass man weinen könnte. Erist so ungerecht, dass diesen Leuten das Gewissen schlagen müsste. Und, der Konsument hat notabene nichts davon, dass der Grossverteiler den Preis so drückt beim Produzenten - er kauft diesen Käse im Laden fur Fr. 26.50 das Kilo. Die Marge des Zwischenhändlers ist also anderthalbmal so gross wie die Summe, die für das Produkt beim Hersteller bezahlt wird. (Hat der Grossverteiler vielleicht auch so viel Arbeit, wie die Bäuerinnen und Bauern sie haben?). «Alle erweiterten Verkaufsflächen der Grossverteiler sind von eurem Geld gebaut», sagte SVP-Parteipräsident Ueli Maurer jüngst an einem Vortrag am Plantahof zu den Bäuerinnen und Bauern. Dabei brauchte es, wie der Schluss dieser Geschichte zeigen wird, nur einen um 2 Franken besser bezahlten Kilopreis für den Käse, sodass der Bauer dies schon erklecklich an seinem Milchzahltag spüren würde. Der Milchzahltag - den der Grossverteiler mit seinem Einkaufspreis für Käse beschert - fallt trostlos bescheiden aus: 75 Rappen pro Liter, brutto, es kommen noch Abzüge hinzu. Er beträgt 75 Rappen, nachdem noch der Lohn des Käsers und eines Gehilfen anfallen, dazu allerhand Nebenkosten, wie die Reise des Käses nach Landquart in den Reifüngskeller usf. Der Milch¬ zahltag schwankt in diesem Dorf je nach Grösse des Betriebes im Mittelbeimonatlich 4000 bis 7000 Franken.
Die Geschichte vom Ftaner Käse hat aber eine durchaus märchenhafte Komponente, die auf einem Zufall beruht (und die Grossverteiler nicht entschuldigt und aus ihrer Verantwortung nicht entlässt). Die Autorin des Berichts sass bei dem letztjährigen Anlass zur Alpauffahrt vis-à-vis einem Multimillionär und schilderte die Lage punkto Käse in Ftan. Worauf dieser sagte: «Ich kaufe 20 Tonnen im Jahr und bezahle auf alle Fälle mehr als der Grosshandel.» (So wie ein anderer im Laden sagt: «Ich nehme 200 Gramm.» Es war sehr imposant.) Die Sache mit dem grosszügigen Käufer, der den Käse auf seinen Ozeanriesen servieren wird, ist jetzt am Laufen.
Schon bei zwei Franken mehr pro Kilo Käse macht das für den Bauern im Monat 20 Rappen mehr pro Liter Milch aus. Das sind rettende «Milchrappen». Bei 5000 Litern abgelieferte Milch pro Monat gibt es 1000 Franken mehr Zahltag. Und es ist anständiger, respektvoller den Bäuerinnen und Bauern gegenüber mit ihrem unverzichtbaren Einsatz, wenn ihr Produkt nicht verächtlich gemacht wird mit einem unangemessen tiefen Preis. Denn Verachtung, Missachtung steht zweifellos hinter dem tiefen Preis. Wo Hochwertiges nichts mehr wert ist, ist die Gesellschaft krank. Oder vielleicht umgekehrt: Die Gesellschaft ist krank, weil Hochwertiges nichts mehr wert ist. Meta Denoth-Studer, meta.denoth@freesurf.ch Meta Denoth-Studer ist die Frau des Bündner Biobauers Cla Denoth, freie Journalistin und engagierte Biokonsumentin. Sie schreibt regelmässig für kultur und politik.
kultur und politîk Seite 3 it-, Das letzte Heft von kultur und politik gibt zu reden. Biofachhändlerinnen bringen Paul Dominik Haslers Text «Garantiert kurzsichtig» in einem Sonderdruck unter die Kundinnen und Kunden, während Globus-Delicatessa auf Plakaten mit «Höchster Qualität zu tiefsten Preisen» lockt. Biobäuerinnen und Biobauem aus dem ganzen Land haben kultur und politik neu abonniert. Biofachhändlerinnen buchen Zusatzabos für Ihre Mitarbeiterinnen. Stammleserinnen haben sich die Interviews mit Bundesrat Joseph Deiss mit Markierstift vorgenommen. FiBLForscherUrs Niggli hat seine Vision vomBioland Schweiz auch in «bio aktuell», dem Magazin der Biobewegung, aufgegriffen. Mein Vorgänger Werner Scheidegger hält unseren neugestalteten Spalten die Stange und spitzt gegen den Mumpitz von Galmiz einmal mehr gekonnt die Feder.
Grund genug also, auf diesen nächsten 24 Seiten mutig und aufmüpfig nachzulegen. Tatkräftig und beeindruckend unterstützt vom ehemaligen EU-Kommissar und Bauernbub Franz Fischler. Begleitet von der LebensmittelIngenieurin und Nationalrätin Ruth Genner. Berührend verdichtet von Biomilch-Manager Pius Biedermann. Verschrieben vom bayrischen und österreichischen Landwirtschaftsminister. Fein angezettelt auf der Seite gegenüber von der begeisterten Biokonsumentin und Bauersfrau Meta Denoth aus Ftan, weitergesponnen von den EmmerInitianten Markus Jenny und Alfred Bänninger.
Ob über Ernährung, Nachhaltigkeit, Bioland, Qualität und Tiefstpreise, gefragt nach den eigenen Werten und dem globalen Wirken des Marktes, zeichnen sich Gemeinsamkeiten ab, die es weiter zu bündeln und zu stärken gilt. So sieht es auch unser kompetenter und geistreicherWegbegleiter Hans Popp, dem wir manche aktuelle Anregung, den Kontakt zu Franz Fischler und die Erklärungen vonLandshut zu verdanken haben.
Reden wir in der Biobewegung bitte weiter darüber. Miteinander, untereinander. Auch wenn der Alltag kaum Zeit und Raum lässt. Auch wenn die Richtlinien und Preisdebatten drücken. Schauen Sie mit uns und für sich ab und zu über den Tellerrand. In andere Gesichter, in andere Geschichten, in den Spiegel. Am Biogipfel des Bioforums von Zofingen beispielsweise, der heuer hoffentlich zum Leserinnen-Treffen ausufert. Oder auf diesen nächsten Seiten voller ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher, aber auch menschlicher, solidarischer, innovativer und weltweit wie zwingend nah geknüpfter Zusammenhänge.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit. Herzlich / / - y * y / IsV-lr I \ beathugi@bluewin.ch B I O STEINER MUHLE ÂG irnlscM Telefon 034 496 9600 Telefax 034 496 96 05 Mungnau 3436 Zollbrück E-Mail: sekretariat@steiner-muehle.ch www.steiner-muehle.ch Die Steiner Mühle AG in Zollbrück engagiert sich seit den 60er Jahren aktiv für die Biobewegung. Sie ist eine der ersten Lizenznehmer bei Demeter als auch bei Bio Suisse. Seit 1995 werden ausschliesslich biologische Produkte verarbeitet und hergestellt. Das Sortiment besteht aus vielen verschiedenen Mehlsorten, Flocken, Griessen,
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